Prof. Dr. Mathieu Ossendrijver

Die Babylonier sind bekannt für ihre hochentwickelte Astronomie, die sowohl die systematische Beobachtung als die Berechnung von Himmelsphänomenen umfasste. Um 400 vC entwickelten babylonische Astronomen erstmals Rechenmethoden, um den Lauf der Planeten und des Mondes vorherzusagen. Bisher war man der Auffassung, dass sie dabei ausschliesslich mit Zahlensequenzen rechneten. Einige erst kürzlich verstandene Tontafeln aus Babylon beweisen, dass die babylonischen Astronomen auch geometrische Methoden benutzten. Auf den Tafeln wird der Geschwindigkeitsverlauf des Planeten Jupiter als geometrische Figur im Zeit-Geschwindigkeitsraum beschrieben. Der Abstand, den Jupiter in einer bestimmten Zeit zurücklegt, wird dann als Fläche dieser Figur ermittelt. Dieses sehr modern anmutende Verfahren kann als Vorläufer unserer Integralrechnung betrachtet werden.

Datum: 13.10.2016, Raum: G03-106, Zeit: 17:00 - 19.00

Letzte Änderung: 10.04.2018 - Ansprechpartner: Prof. Dr. Volker Kaibel